Ulrich Schmied, Poet des Hammers

ULRICH SCHMIED

eisen bildhauer

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Der Schmied und der Weinbauer

rebenwächter

Stein am Rhein ist ein kleines mittelalterliches Städtchen. Wie der Name es schon sagt, liegt es am Rhein, genau dort, wo dieser den Bodensee verlässt, um Richtung Schaffhausen den Rheinfall zu speisen.

Über der Stadt thront die Burg Hohenklingen, und an den steilen Ufern stehen Rebstöcke, so weit das Auge reicht. Der Weinbau hat hier im Blauburgunderland eine lange Tradition. Unterhalb der trotzigen Burg betreibt der Winzer Paul Imthurn in zwölfter Generation sein Weingut. Erlesene Weine tragen seit Jahrhunderten zum Ruhme der Winzerfamilie bei. Hier wird der Anbau der Trauben gelebt, und die Keller sind Jahr um Jahr mit den edelsten Tropfen gefüllt. In schweren hölzernen Fässern lagert die flüssig gewordene Frucht und wartet nicht sehr lange auf ihre Abnehmer.

Vor vielen Jahren jedoch reihte sich ein schlechtes Jahr an das nächste; die Ernten wurden magerer, der Ertrag nahm sichtbar ab. Regen, zu frühe Fröste, kaum Sonne und stürmische Tage ließen den Weinbauern Paul Imthurn ratlos auf seine Weinberge blicken. Drei Jahre schlechte oder gar keine Ernten ließen Paul verzweifeln.

Und dann kam im darauffolgenden Jahr eine Essigfliegen-Plage. Die Wolken über dem Weingut wurden pechschwarz. Paul wusste sich nicht mehr zu helfen, es musste etwas passieren. Er hielt nicht viel von Wahrsagerei. Spökenkiekerei hatte bisher in seinem Leben keinen Platz gehabt. Nun hörte er aber von einem Schmied, der im nicht fernen Klettgau lebte, Schwamninger Erich sein Name. Dieser sollte mit seiner Handwerkskunst wahre Wunder vollbringen.

Paul spannte die schon recht dürren Rösser vor den Wagen und machte sich an einem frostigen Novembertag auf die Reise. Kurz vor dem Eindunkeln erreichte er die schwarze Schmiede des Meisters. Paul klopfte an das schwere Tor, und Meister Erich rief ihn herein.

Das Innere der Werkstatt lag dunkel vor dem Winzer. Nur die auflodernden Flammen in der Esse gaben etwas Licht. Mystische schwarze Gesellen und Lehrlinge schmiedeten hier wohl Teufelswerk und dergleichen Dinge.

Paul stellte sich dem Meister der schwarzen Künste vor und erklärte ihm sein Anliegen. Er hätte von den Fähigkeiten und Wundern gehört, zu denen der Schmied aus dem Klettgau imstande sein sollte. „Lieber Meister helft mir bitte. Die Reben tragen seit Jahren nicht. Ich flehe Euch an helft!”

Meister Erich hörte aufmerksam zu und versprach Paul seine Hilfe. „Schau hinter die Werkstatt, dort steht der Hafer für die abgemagerten Klepper, und du findest dort dein Nachtlager. Ruhe dich drei Tage lang aus und tritt dann wieder in meine Werkstatt. Dann ist das Wunder wohl vollbracht.”

Der Schmied überlegte eine Nacht lang, was zu tun sei. Wie könnte er dem verzweifelten Weinbauern helfen? Endlich hatte er eine Idee.

Eins, zwei, drei die Hämmer fliegen, die Gesellen kommen ins Schwitzen. Zwei Tage und zwei Nächte sind der helle Klang der Hämmer auf dem Amboss im ganzen Tal zu hören. Pausenlos sausen die Hämmer nieder. Unter Anleitung ihres Meisters arbeiten die Schmiede hochkonzentriert an ihrem Zauberwerk.

Am Morgen des dritten Tages kommt Paul, wie ihm aufgetragen, vor das Tor der Werkstatt. Er öffnet die Tür und erblickt in der Mitte des dunklen Raumes einen zauberhaften Vogel: grünes Kleid, roter Schnabel, goldene Augen so steht er, fast vier Meter hoch, vor dem Winzer. Eine Lanze, die von einem goldenen Mond gekrönt wird, ziert diese Figur aufs Wunderschönste. Die Schmiede kauern um den Vogel herum und murmeln unverständliche Worte.

Der Weinbauer ist irritiert. Da tritt Schmied Erich vor ihn und spricht: „Das Wetter wurde immer schlechter, drum baute ich dir diesen Wächter. Lade ihn auf deinen Wagen und stelle ihn zwischen deine Reben. Du wirst sehen, der Wein wird wieder fließen in Strömen, den Wassern des Rheins gleich. Du wirst sehen.”

Paul verabschiedete sich aber nicht ohne Meister Erich und seine Gesellen für den darauffolgenden Herbst auf sein Gut einzuladen.

Mit dem großen Rebenvogel im Schlepptau fuhr er zurück nach Stein am Rhein und tat, was der Schmied ihm aufgetragen hatte.

Die Ernte wurde fantastisch und das Fest zu Ehren der Schmiede unvergesslich für alle Anwesenden. Der Winzer konnte sein Glück kaum fassen und es blieb ihm treu. Paul Imthurn wurde reich und Winzerkönig.

„Doch eins könnt ihr mir glauben: ohne Rebenwächter gibt es keinen Winzerkönig”, hatte man Erich, den Zauberschmied, rufen hören, als er mit seinen Gesellen auf stählernen, feuerspeienden Rössern das kleine Städtchen verließ, seiner Werkstatt entgegen.

Seitdem steht der große Vogel unter der Burg und über der Stadt in den Rebhängen und wacht Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Auch heute können wir von diesem Weine trinken, denn der große Rebenwächter wacht noch immer dort, wo Paul ihn vor mehr als 150 Jahren platziert hatte. Und die Legende sagt: Wer einen der kleinen Ableger des Rebenwächters sein Eigen nennt, zu dem kommt das Glück wie ehemals zum Winzerkönig Paul.

Auf die Schmiede! Prost!!!


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